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Schlafmohn
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Schlafmohn (Papaver somniferum) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Mohn (Papaver) innerhalb der Familie der MohngewĂ€chse (Papaveraceae).cite-ref-euro-med2011-1-0[1] Sie zĂ€hlt zu den Ă€ltesten Heilpflanzen. Der Samen kann als Nahrungsmittel sowie zur Ölgewinnung verwendet werden. Alle Teile des Schlafmohns enthalten Morphium und andere Alkaloide, in hoher Konzentration vor allem der Milchsaft, der in einem dichten Netz von Milchröhren die ganze Pflanze und insbesondere das Perikarp der Kapselfrucht durchzieht.cite-ref-bfr-2-0[2] Dieser aus unreifen, eingeritzten KapselfrĂŒchten entrinnende Saft kann geerntet werden und bildet in getrockneter Form das BetĂ€ubungsmittel Opium. Der Name Opium stammt aus der griechischen Sprache und bedeutet so viel wie „SĂ€ftchen“.

Contents

‱ Systematik
‱ Taxonomie
‱ Nutzung
‱ Rechtslage
‱ Deutschland
‱ Schweiz
‱ Siehe auch
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Beschreibung und PhÀnologie

Vegetative Merkmale

Der Schlafmohn ist eine einjĂ€hrige krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 0,3 bis 1,5 Metern erreicht. Der aufrechte, runde, ĂŒberlaufende StĂ€ngel ist selten verzweigt. Es wird eine Pfahlwurzel gebildet.

Die einfachen, wechselstÀndigen LaubblÀtter sind 5 bis 20 Zentimeter lang. Der Blattrand ist gezÀhnt bis gesÀgt. Die unteren BlÀtter sind in einen kurzen Stiel verschmÀlert; die oberen sind stÀngelumfassend.cite-ref-markgraf1958-3-0[3]

Generative Merkmale

Die BlĂŒtezeit reicht von Juni bis August. Der BlĂŒtenstiel ist schlank und behaart.

Die relativ große BlĂŒtenknospe ist meist 15 bis 25 (10 bis 30) Millimeter lang und hĂ€ngt ĂŒber. Beim Öffnen der BlĂŒtenknospe fallen die zwei KelchblĂ€tter ab. Die geöffneten, zwittrigen BlĂŒten sind bei einem Durchmesser von 5 bis 10 Zentimetern radiĂ€rsymmetrisch. Die vier weißen bis violetten (selten roten) BlĂŒtenkronblĂ€tter sind etwa doppelt so groß wie die KelchblĂ€tter und weisen am Grund einen dunklen Fleck auf. Die StaubblĂ€tter sind in gelbe StaubfĂ€den und 2 bis 4 Millimeter lange Staubbeutel gegliedert. Die BlĂŒte ist meist schon nach wenigen Tagen komplett bestĂ€ubt und wirft dann auch ihre BlĂŒtenkronblĂ€tter ab. Die BlĂŒten von Ziermohnrassen können andersfarbig sein und mehr als vier BlĂŒtenkronblĂ€tter besitzen.

Die kugeligen KapselfrĂŒchte enthalten hunderte Samen. Die relativ kleinen Samen sind nierenförmig, hart, erhaben netzartig geadert und grubig vertieft. Stahlblaue Samen sind der Wildform am Ă€hnlichsten, weißliche Samen enthalten weniger Öl und werden zur Mehlherstellung verwendet. Eine Sorte mit grauen Samen (Waldviertler Graumohn) ist in Österreich populĂ€r und dessen Herkunftsbezeichnung geschĂŒtzt. Die Tausendkornmasse betrĂ€gt nur etwa 0,3 bis 0,7 Gramm.cite-ref-zaribnicky1935-4-0[4]cite-ref-bern-th1998-5-0[5]

Die Chromosomenzahl betrÀgt 2n = 22 oder 44.cite-ref-oberdorfer2001-6-0[6]

Standortbedingungen

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 2+ (frisch), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 3 (schwach sauer bis neutral), Temperaturzahl T = 4 (kollin), NÀhrstoffzahl N = 4 (nÀhrstoffreich), KontinentalitÀtszahl K = 3 (subozeanisch bis subkontinental).cite-ref-infoflora-7-0[7]

Der Schlafmohn wird in den AlpentÀlern bis in Meereshöhen von 1600 Metern angebaut.cite-ref-markgraf1958-3-1[3]

Systematik

Taxonomie

Die Erstveröffentlichung von Papaver somniferum erfolgte 1753 durch Carl von LinnĂ© in Species Plantarum, Tomus I, S. 508.cite-ref-euro-med2011-1-1[1] Das Artepitheton somniferum leitet sich aus dem Lateinischen ab und bedeutet „Schlaf bringend“; es verweist auf die Verwendung als Schlafmittel fĂŒr Kinder in der griechischen Antike. Synonyme fĂŒr Papaver somniferum L. sind: Papaver album Mill., Papaver hortense Hussenot nom. illeg., Papaver officinale C.C.Gmel., Papaver somniferum var. nigrum DC., Papaver somniferum subsp. nigrum (DC.) Thell., Papaver somniferum subsp. nigrum SchĂŒbl. & G. Martens, Papaver somniferum subsp. hortense Arcang., Papaver somniferum subsp. hortense (Hussenot) Corb., Papaver somniferum subsp. songaricum Basil.cite-ref-euro-med2011-1-2[1]

Botanische Geschichte

Je nach Autor gibt es keine oder mehrere Unterarten:cite-ref-afe1991-8-0[8]

‱ Papaver somniferum L. subsp. somniferum: Die Chromosomenzahl ist 2n = 22 oder 44.cite-ref-afe1991-8-1[8]
‱ Papaver somniferum subsp. setigerum (DC.) Arcangeli (Syn.: Papaver setigerum DC.): Sie kommt in SĂŒdeuropa, Nordafrika, Vorderasien und in Makaronesien vor. Die Chromosomenzahl betrĂ€gt 2n = 22 oder 44.cite-ref-afe1991-8-2[8]
‱ Papaver somniferum subsp. songaricum Basil.: Sie kommt auf der Balkanhalbinsel und in Asien vor.cite-ref-afe1991-8-3[8]

Herkunft und Geschichte

Der wilde „VorlĂ€ufer“ des Schlafmohns ist umstritten, diskutiert werden Papaver glaucum Boiss. et Hausskn., Papaver aculeatum Thunb. und, wie bereits bei De Candolle, der im westlichen Mittelmeerraum beheimatete Borstenmohn (Papaver somniferum subsp. setigerum (DC.) Arcang.).cite-ref-hammer1979-9-0[9] Der Borstenmohn gilt als der wahrscheinlichste Kandidatcite-ref-10[10]. Der genaue Ursprung des Schlafmohns ist unbekannt, es werden sowohl der östlichecite-ref-11[11] als auch der westliche Mittelmeerraum angenommen. Die grĂ¶ĂŸte Artenvielfalt von Papaver-Arten findet sich in der östlichen ÄgĂ€is und in Iran.cite-ref-salavert2011-12-0[12] Aber auch eine Domestikation im Gebiet der Linearbandkeramik wĂ€re möglich.cite-ref-13[13]

Die Verwendung des Schlafmohns als Nutzpflanze ist in Mitteleuropa seit der jungsteinzeitlichen Ă€lteren Phase der Bandkeramischen Kultur, ab etwa 5200 v. Chr.cite-ref-bakels1982-14-0[14] nachgewiesen. Mohn gehört damit zu den Ă€ltesten Kulturpflanzen in Mitteleuropa. AurĂ©lie Salavert erwĂ€gt, dass der Schlafmohn zusammen mit anderen mediterranen Kulturpflanzen wie Nacktgerste den belgischen Hennegau erreichte und hier von der Kultur der Linearbandkeramik ĂŒbernommen wurde.cite-ref-15[15] Manen sieht in diesem Gebiet auch einen Cardial-Einfluss in der Keramik.cite-ref-manen-16-0[16] Auch der Einfluss der La-Hoguette-Kultur wurde diskutiert. Aus IbrĂĄny–NagyerdƑ, Huda-tĂĄbla stammt ein angeblich Körös-zeitlicher Schlafmohnfund.cite-ref-gyulai2010-17-0[17] Mohn lĂ€sst sich archĂ€obotanisch nur nachweisen, wenn mit sehr feinen Maschenweiten geschlĂ€mmt wird, daher ist es schwer, seine Verbreitung zu beurteilen.

Auf Zypern wurden in der spĂ€ten Bronzezeit Flaschen hergestellt, die die Form einer Mohnkapsel hatten (Base Ring ware) und nach Analysen Opium enthielten.cite-ref-18[18] 1975 wurde in der Hauptstadt Kition ein 14 Zentimeter langer Bronzezylinder aus dem 12. Jahrhundert v. Chr. ausgegraben, der als Opiumpfeife interpretiert wird und wohl aus dem Tempel einer Fruchtbarkeitsgottheit stammt. In Ägypten ließen sich Opium-Mixturen bis in die Zeit um 1800 v. Chr. zurĂŒckverfolgen. Die Ägypter importierten Opium vielleicht von Zypern, bauten es spĂ€ter selbst im Niltal an und benutzten es bei Kulthandlungencite-ref-19[19] und spĂ€testens um 1300 v. Chr. als Narkotikum.cite-ref-20[20] Sie lagerten ihr Opium in speziellen GefĂ€ĂŸen, den Bilbil-KrĂŒgen (arabische Bezeichnung, Cypriote Base ring vessels)cite-ref-21[21].

In zahlreichen Werken wird behauptet, der Schlafmohn sei auf sumerischen Keilschrifttafeln erwĂ€hnt,cite-ref-seefelder1996-22-0[22] dies geht jedoch auf einen Lesefehler zurĂŒckcite-ref-23[23]. Die Sumerer bezeichneten den Schlafmohn angeblich als „Pflanze der Freude“cite-ref-24[24] (HUL.GIL), auch diese Übersetzung ist aber nicht gesichert.cite-ref-25[25]

Aus dem alten Griechenland belegen archĂ€ologische Funde, dass die Griechen Opium fĂŒr kultische und auch medizinische Zwecke gebrauchten. Die Mohnkapsel war das Symbol fĂŒr den Schlafgott Hypnos,cite-ref-26[26] fĂŒr Morpheus, den Gott des Traumes, fĂŒr Nyx, die Göttin der Nacht, und fĂŒr Thanatos, den Gott des Todes; diese Symbolkraft der Mohnkapsel fĂŒr den Traum, den Schlaf und den Tod hat einen vielfĂ€ltigen Niederschlag in der bildenden Kunst gefunden.cite-ref-27[27] Als ein Schmerzen dĂ€mpfendes Mittel wurde Opium um 450 v. Chr. auch in den hippokratischen Schriften empfohlen.cite-ref-28[28] Im römischen Reich kam der Schlafmohn in den zweifelhaften Rang einer Wohlstandsdroge. Bei einer Inventur des kaiserlichen Palastes im Jahre 214 wurden insgesamt 17 Tonnen Opium gezĂ€hlt. Seit etwa 1100 bauen auch die Chinesen den Schlafmohn zu medizinischen Zwecken an. Das frĂŒhe Christentum, das in einer Krankheit eine Strafe Gottes sah, verbot im 4. Jahrhundert mancherorts die Anwendung von Opium als schmerzstillendes Mittel. Karl der Große erneuerte dieses Verbot 810; Mohnsaft galt manchen Menschen als Satanswerk.cite-ref-seefelder1996-47-29-0[29] Mit der arabischen Medizin kehrte Opium nach Europa zurĂŒck (Bei Operationen verwendete um 1000 der Bagdader Ophthalmologe Jesu Halycite-ref-30[30] bereits Opium und Mandragora). Auch im um 800 entstandenen Lorscher Arzneibuch findet sich „Opium“cite-ref-31[31] und im 12. Jahrhundert schrieb Hildegard von Bingen „Papaver 
 von dem machet man die besten opia 
, und das safft geheltet man: das selbe ist gut zu manigerhande artzendye.“cite-ref-fehringer1994-32-0[32]

Aus verschiedenen antiken Schriften geht hervor, dass man aus ausgepressten Pflanzen das Meconium (abgeleitet vom antiken griechischen Wort fĂŒr den aus den BlĂ€ttern und Kapseln entzogenen Saftcite-ref-33[33]) gewinnen kann. Meconium ist in seiner Wirkung schwĂ€cher als Opium, wurde aber ebenfalls als Schlaf- und Heilmittel genutzt.cite-ref-seefelder1996-29-34-0[34]

Die außerordentliche Bedeutung, die die Entdeckung des Opiums fĂŒr die Menschen von damals hatte, ist heute gut nachvollziehbar. Erstmals standen der Heilkunst Mittel zur VerfĂŒgung, die Schmerzen stillten und viele medizinische Eingriffe fĂŒr den Patienten ertrĂ€glicher oder gar erst möglich machten. Aus Opium hergestellte PrĂ€parate, zum Beispiel als Latwerge, fanden im Mittelalter auch Verwendung bei der BetĂ€ubung (OberflĂ€chenanĂ€sthesie)cite-ref-35[35] von schmerzhaften Augenleiden.

Nutzung

Es existieren zahlreiche Zuchtsorten, die sich unter anderem durch Gehalt und Zusammensetzung der Alkaloide unterscheiden.

Mohn als Lebensmittel

Die ölhaltigen, angenehm und nussig duftenden Samen des Schlafmohns werden als Lebensmittel vor allem fĂŒr SĂŒĂŸspeisen, GebĂ€ck oder damit bestreute Brötchen verwendet: Mohnkuchen, Mohnstrudel, Mohnpielen, Mohnzelten, Mohnnudeln, Germknödel oder Mohnbrötchen, Mohnstangen und Ă€hnliches. Daneben werden die Mohnsaaten auch als GewĂŒrz und dank eines Fettgehalts von 40–50 % auch zur Gewinnung von Öl genutzt, als kaltgepresstes Speiseöl oder fĂŒr kosmetische Zwecke (z. B. Hautcremes und Seifenherstellung). Ferner wird Mohn als Futtermittel sowie in der Pharmazie genutzt.

Es sind weiße, graue und blaue bis blauschwarze Mohnsaaten erhĂ€ltlich. Die weißen Sorten stammen meist aus Indien, eine bekannte graue Sorte ist der Waldviertler Graumohn, und die in Deutschland gehandelten blauen Sorten stammen meist aus der TĂŒrkei, aus Tschechien, Ungarn und Australien. JĂ€hrlich werden in Deutschland rund 8000 Tonnen Mohnsaat verarbeitet. Zur Samengewinnung wird ausschließlich Schlafmohn verwendet, denn andere Arten der Gattung Papaver gelten als wenig ergiebig oder unbekömmlich. Gemahlener Mohn wird als Backmohn vermarktet.

Mohnsaat gehört zu den calciumreichsten Lebensmitteln und ist relativ reich an Vitaminen der B-Gruppe. Ihr Morphingehalt ist in der Regel sehr gering und gesundheitlich unbedenklich, unterliegt jedoch Schwankungen aufgrund der verarbeiteten Sorten, der Herkunft, des Erntezeitpunktes und der angewendeten Sorgfalt und Verfahren bei der Herstellung. Insbesondere wird angenommen, dass es aufgrund neuer Erntemethoden, bei denen die Kapsel gequetscht wird, zu einer Kontaminierung des Produktes mit alkaloidhaltigen KapselbruchstĂŒcken und Milchsaft und damit zu erhöhten Alkaloidgehalten im Endprodukt kommen kann.cite-ref-bfr-2-1[2] Das deutsche Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) nahm aufgrund von Medienberichten ĂŒber hohe Morphingehalte bei Mohnsamen im Lebensmittelhandel 2005 eine Marktanalyse vor und empfahl eine „vorlĂ€ufige maximale tĂ€gliche Aufnahmemenge“ von 6,3 ”g Morphin je Kilogramm Körpergewicht. Aufgrund dessen und mit Hilfe von AbschĂ€tzungen ĂŒber den typischen Mohnkonsum der Bevölkerung empfiehlt das BfR einen Richtwert von höchstens 4 ”g/g Morphingehalt in Mohnsamen. Die in der damaligen Studie in handelsĂŒblichem Mohn gefundenen Morphinmengen lagen teils darunter, teils erheblich darĂŒber, so dass mit dem Bewertungsdokument des BfR ein Appell an die Branche erging, den Alkaloidgehalt ihrer Erzeugnisse zu senken.cite-ref-bfr-2-2[2]

Beim Schlafmohn wird der Milchsaft in der Kapselfrucht sowie im StÀngel und den BlÀttern gebildet. In den reifen Samen ist er hingegen nicht enthalten. Sorten wie der Schlafmohn, die auch als Lebensmittel verwendet werden, können bei der maschinellen Ernte allerdings mit dem Milchsaft in Kontakt kommen und dadurch mit Thebain verunreinigt werden. Auf diese Weise kann Thebain unbeabsichtigterweise mit der Nahrung aufgenommen werden.

Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung wies 2018 auf aktuell noch unzureichende toxikologische Erkenntnisse und lĂŒckenhafte Informationen zur Verzehrsmenge von Mohn in Deutschland hin. Das Institut riet, dass bei der Lebensmittelherstellung darauf geachtet werden solle, die Gehalte von Opiumalkaloiden, darunter auch Thebain, so weit wie technisch möglich zu verringern.cite-ref-37[37]

Auch wenn der Opiatgehalt im ungefĂ€hrlichen Bereich bleibt, kann er bei Drogentests auf Opiate mit Hilfe von Urinproben zu positiven Resultaten fĂŒhren. Es ist dann nicht zu unterscheiden, ob die Alkaloide durch Rauschgiftkonsum oder den Verzehr mohnreicher Nahrungsmittel aufgenommen wurden. In deutschen GefĂ€ngnissen ist aus diesem Grund der Verzehr von mohnsamenhaltigen Speisen untersagt.cite-ref-spiegelde2003-38-0[38] Gleiches gilt in der Regel fĂŒr Krankenhausstationen im Rahmen von Entzugstherapien.

Analytik von Mohnsamen

Die zuverlÀssige qualitative und quantitative Analytik von Mohnsamen hinsichtlich der als Drogen wirksamen Inhaltsstoffe erfolgt nach angemessener Probenvorbereitung mit chromatographischen Verfahren wie der HPLC und der Gaschromatographie, meist in Kopplung mit der Massenspektrometrie.cite-ref-39[39]cite-ref-40[40]cite-ref-41[41]cite-ref-42[42]

Mohn als Rauschmittel

Weitere Produkte des Schlafmohns sind die in dem weißen Milchsaft enthaltenen Alkaloide. Zu den wichtigsten der insgesamt 40 Alkaloide zĂ€hlen Morphin, Codein, Papaverin, Noscapin (= Narkotin), Thebain und Narcein. Morphin, Codein und Thebain sind Morphinanderivate. Narkotin, Papaverin und Narcein dagegen sind Benzylisochinolinalkaloide. Ein großer Teil liegt als Salz mit der MekonsĂ€ure gebunden vor (so genannte Mekonate). Das Heroin wird synthetisch aus dem Mohn-Inhaltsstoff Morphin hergestellt, ist aber selbst nicht im Mohn enthalten.

Ausgereifte Fruchtkapseln enthalten im Vergleich zu grĂŒnen mehr Codein und weniger Morphin. Aus getrockneten und fein vermahlenen Fruchtkapseln kann medizinischer Tee bereitet werden. In Trinkalkohol (Ethanol) löst sich Morphin wesentlich besser als in Wasser, sodass sich starke Tinkturen herstellen lassen.

Zur Gewinnung von Opium werden die schon dick angeschwollenen, aber noch grĂŒnen Mohnkapseln in den Abendstunden stellenweise angeritzt. In den folgenden Morgenstunden wird der getrocknete, braun verfĂ€rbte Milchsaft der gegliederten Milchröhren – das Rohopium – durch Abkratzen gewonnen. Dieser Vorgang wird mehrmals wiederholt, bis die Fruchtkapsel gleichmĂ€ĂŸig vernarbt ist. Eine Kapsel liefert etwa 20–50 mg Rohopium, das 3–23 % Morphin enthĂ€lt.

Rauchopium oder Chandu wird traditionell durch Wiederauflösen des Rohopiums in Wasser und anschließendes Einkochen gewonnen. Die feuchtbleibende Masse wird nun der Fermentation ĂŒberlassen, die nach einigen Tagen oder Wochen abgeschlossen ist. Anschließend wird das Ferment getrocknet, bis es eine feste, knetbare Masse ergibt. Eine andere Sorte Rauchopium wird durch Wasserlösung und filtrative Abscheidung des Latex und Wachses hergestellt.

Durch chemische Derivatisierung (Acetylierung → SĂ€ureesterbildung) des Morphins entsteht Heroin (Diamorphin, Diacetylmorphin), das die drei- bis sechsfache analgetische (schmerzstillende) Wirkung von Morphin besitzt.

Die illegalen Hauptanbaugebiete von Schlafmohn liegen in Afghanistan sowie in SĂŒdostasien (Goldenes Dreieck).cite-ref-worlddrugreport2010-43-0[43] Wobei die Taliban den Anbau von Schlafmohn nach ihrer MachtĂŒbernahme in Afghanistan weitgehend unterbunden haben (Stand 2023).cite-ref-44[44]cite-ref-3-45-0[45] Legaler Anbau zu medizinischen Zwecken wird hauptsĂ€chlich in Indien, Australien, in der TĂŒrkei und in ehemaligen Sowjetrepubliken betrieben.

Auch Tiere haben die berauschende Wirkung von Schlafmohn fĂŒr sich entdeckt. So gibt es Berichte von wild lebenden Tieren, die in Indien ĂŒber Schlafmohnfelder herfielen.cite-ref-46[46]

Siehe auch: Opiumkriege

Mohn als Heilmittel

Schlafmohn wird seit dem Altertum unter anderem zur Schmerzlinderung verwendet. Im System der mittelalterlichen Humoralpathologie galt der natĂŒrlich auch als Schlafmittel genutzte Schlafmohn (gemĂ€ĂŸ Konstantin von Afrika) als kalt und trocken im vierten Grade.cite-ref-47[47] Verwendung fanden BlĂ€tter (etwa als Zutat eines Bilsenkrautöls oder der Pappelsalbe Populeumcite-ref-48[48]), Kapseln und Samen (Mohnsamen, frĂŒher auch magsamen). Im Mittelalter wurde das aus Mohn gewonnene Opium auch als Bestandteil von sogenannten SchlafschwĂ€mmen (lateinisch spongia somnifera) zur Narkose bei chirurgischen Operationen benutzt.cite-ref-haage1991-49-0[49]

Morphin wird zur SchmerzbekĂ€mpfung bei starken Schmerzen, wie bei Tumoren, sowie bei chronischen Schmerzen verschiedenen Ursprungs eingesetzt, aber auch als Rauschdroge missbraucht. Morphin kann psychisch und physisch abhĂ€ngig machen. Bei Überdosierung von Morphin setzt der Tod (Letale Dosis) durch Atemdepression ein. Codein besitzt nur ein Sechstel bis ein Zwölftel der analgetischen Wirksamkeit von Morphin und wird als Antitussivum bei starkem Reizhusten verwendet. Noscapin und Narcein sind nicht schmerzstillend und besitzen wie Codein eine antitussive Wirkung, die aber schwĂ€cher ist. Weiter sind Noscapin und Narcein im Gegensatz zu Morphin schwach atemanregend und bronchodilatatorisch. Papaverin wird angewendet bei KrĂ€mpfen des Magens, der Gallenblase, des Darms und der Harnwege und auch bei Nierenkoliken. Opiumtinktur wurde frĂŒher oft sowohl bei Magen-Darm-KrĂ€mpfen, Durchfall als auch bei seelischen Leiden verschrieben, wegen der suchterzeugenden Wirkung heute jedoch kaum noch. Die enthaltenen Benzylisochinolinalkaloide (z. B. Papaverin) können auch als Spasmolytikum eingesetzt werden.

Rechtslage

Deutschland

Die Einbeziehung des Mohnanbaus in das BetĂ€ubungsmittelrecht bedeutete in Deutschland das Ende des erwerbsmĂ€ĂŸigen Mohnanbaus, der vor dem Zweiten Weltkrieg, in der DDR bis zur Wiedervereinigung, weit verbreitet war. Der Anbau von Schlafmohn ist in Deutschland genehmigungspflichtig, auch als Zierpflanze, und stellt bei nicht vorhandener Genehmigung einen Verstoß gegen das BetĂ€ubungsmittelgesetz (BtMG) dar. Dieser kann mit bis zu fĂŒnf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe geahndet werden (§ 29 Abs. 1 BtMG, in schweren FĂ€llen betrĂ€gt die Höchststrafe gem. § 29 Abs. 3 bzw. § 29a ff. BtMG i. V. m. § 38 StGB fĂŒnfzehn Jahre). Auch der private Anbau auf KleinstflĂ€chen fĂ€llt unter die Genehmigungspflicht.

Die Zulassung fĂŒr die morphinarme Sorte „Przemko“, die seit 1996 erhĂ€ltlich war, wurde inzwischen wieder zurĂŒckgezogen, wie die Bundesopiumstelle mitteilte. Aktuell verfĂŒgen die ebenfalls morphinarmen Sorten „Mieszko“ sowie „Zeno Morphex“ ĂŒber eine Zulassung fĂŒr den deutschen Anbau. Die Genehmigung kostet fĂŒr landwirtschaftliche Betriebe 240 Euro, fĂŒr wissenschaftliche Einrichtungen 190 Euro und fĂŒr Privatpersonen 95 Euro, wobei fĂŒr letztere eine Erlaubnis nur fĂŒr maximal zehn Quadratmeter und drei Jahre erteilt wird.cite-ref-bfarmde-50-0[50]

Österreich

Im Unterschied zu Deutschland ist der Anbau des Schlafmohnes in Österreich erlaubt und blickt auf eine lange Tradition zurĂŒck, die bis in die Hallstattzeit zurĂŒckreicht. Die österreichische AnbauflĂ€che von Mohn betrug im Jahre 2017 3.012 Hektar, der Ertrag rund 15.000 Tonnen.cite-ref-statistikaustria-51-0[51] Nicht erlaubt ist der Mohnanbau zum Zweck der Suchtgiftgewinnung (§ 27 SMG Abs. 1 Suchtmittelgesetz). Hauptanbaugebiete sind das nördliche Ober- und Niederösterreich (Waldviertel). WĂ€hrend in Oberösterreich hauptsĂ€chlich Blaumohnsorten angebaut werden, ist das Waldviertel berĂŒhmt fĂŒr seinen großsamigen Graumohn mit seinen offenen Mohnkapseln, welche eine Kombinationsnutzung von Samen und unzerstörter Kapsel fĂŒr floristische Zwecke ermöglicht. Dieser Mohn ist als „Waldviertler Graumohn g.U.“ durch die VO (EG) Nr. 510/2006 als europĂ€ische Ursprungsbezeichnung registriert.

Schweiz

Auch in der Schweiz ist der Anbau von Schlafmohn legal, hat aber bei weitem nicht mehr die Bedeutung frĂŒherer Zeiten. Seine grĂ¶ĂŸte Ausdehnung erreichte der Mohnanbau im Jahre 1945 mit 1313 ha FlĂ€che, wobei der Mohn sowohl zur Ölgewinnung als auch zur Herstellung von Morphin fĂŒr die pharmazeutische Industrie in Basel genutzt wurde. Nach Kriegsende ging der Anbau jedoch stark zurĂŒck (nur noch 3 ha AnbauflĂ€che 1955) und wurde weitgehend eingestellt. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts gibt es erneute AnsĂ€tze, wobei die staatliche Forschungsanstalt Agroscope Reckenholz-TĂ€nikon (ART) den Mohnanbau speziell durch Bio-Landwirte fördert. Doch werden derzeit nur KleinstflĂ€chen von wenigen Hektar bewirtschaftet, und es wird wegen des relativ geringen Mohnverbrauchs in der Schweiz – Gesamtjahresverbrauch ca. 114 t – nicht erwartet, dass der Mohnanbau ĂŒber den Stand einer Nischenproduktion hinauskommt.cite-ref-luginb-hl2013-52-0[52]

Andere LĂ€nder

In den USA ist der Anbau von Mohn zur Opiatgewinnung illegal, die Einfuhr ist in Singapur streng reglementiert, in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Taiwan ist der Besitz verboten, in China ist die Verwendung von Schlafmohn in Lebensmitteln verboten,cite-ref-53[53] obwohl Mohn und Mohnkapseln auf westchinesischen MĂ€rkten erworben werden können. Um das AufspĂŒren zu erschweren, werden diese hĂ€ufig mit Chiliöl gemischt.cite-ref-54[54]

Siehe auch
Literatur

‱ Wilfried Ahrens, Jan Sneyd: Mohn. Sorten, Anbau, Rezepte. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3112-9.
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‱ Roswitha Kirsch-Stracke, Petra Widmer: Schmetterling und Schlafmohn. Zum Symbolgehalt von Tier- und Pflanzendarstellungen auf Grabmalen. In: Stadt und GrĂŒn (Das Gartenamt). 48, Heft 8, 1999, S. 520–526.
‱ Oskar Sebald (Bearbeitung): Wildpflanzen Mitteleuropas. ADAC, MĂŒnchen 1989, ISBN 3-87003-352-5.

Weblinks

Commons

: Schlafmohn (

Papaver somniferum

)

– Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

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‱ Steckbrief und Verbreitungskarte fĂŒr Bayern. In: Botanischer Informationsknoten Bayerns.
‱ Thomas Meyer: Datenblatt mit BestimmungsschlĂŒssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).
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Einzelnachweise

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